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Über die Stillleben

Kunsthistorikerin und -pädagogin Mag. Anne-Christine Semlitsch über die Ausstellung:

"Stilles Leben" - so der Titel der ersten Ausstellung von Claudia Vogeltanz - lässt nicht nur die Malereigattung, die wir hier vorfinden, anklingen, sondern bezeichnet auch wie so ganz im Stillen diese Werke entstanden sind.

Zunächst gab es da vereinzelte Arbeiten, noch kleinformatig und zurückhaltend in ihrem Ausdruck. Sie tauchten zwischendurch und unerwartet auf und es war nie abzuschätzen, nach welcher Zeitspanne sich wieder eines der Obst- oder Gemüsestillleben zu den anderen hinzugesellen würde. Unmerklich ist der Bilderreigen angewachsen, nicht nur zahlenmäßig, sondern auch im Format, bis in letzter Zeit jene größerformatigen Malereien entstanden sind, die Sie, liebe Besucherinnen und Besucher, hier in erste Linie vorfinden.

Nach diesen Inkubationszeiten ist es nun zu einem wahren Ausbruch an Freude und Lust am Paprika, am Lauch, am Knoblauch gekommen. Claudia Vogeltanz verhilft ihren Pflanzen zu ungeahnter Größe und lenkt dadurch unseren Blick auf die zum Teil ganz eigenwillige Formgebung und immanente Ausdruckskraft, die den gemalten Objekten innewohnt. Sie betont die Strukturen, die Plastizität, die Färbung ihrer Modelle von immer wieder verschiedenen Blickwinkeln aus und eröffnet uns damit neue Sichtweisen.

Schon in ihrem ersten Obststück, das vor 10 Jahren entstanden ist, hat Claudia Vogeltanz in Ansätzen gezeigt, was sich später immer deutlicher herauskristallisieren sollte: nämlich der Gegensatz zwischen dem lebhaft gemalten Objekt und dem kühlen, nahezu neutralen Hintergrund, der gerne in einen farblich gewagten Kontrast gebracht wird. Claudia Vogeltanz stellt sich bei jedem Bild aufs Neue der Herausforderung sich in diesem Spannungsfeld zu bewegen, diese Gratwanderung zu wagen. So auch im Bild „Orchideen" (dem Motiv der Einladung), in dem die eruptiv gemalten Blüten von einem Hintergrund gefasst werden, der sich in seiner Flächigkeit fast schon so verhält, als gehörte er nicht zum Bild, wäre da nicht sein irisierender Blauton, der ihn zu einer deutlichen Klammer werden lässt für die einzelnen Blütenelemente.

Das ist auch ganz Claudia selbst: jene Claudia, der in ihrer Analyse der Dinge des Lebens kein Detail entgeht und die diesem Detail auch die nötige Aufmerksamkeit widmen kann. Und jene Claudia, die klar und strukturiert ist und dann wieder voller Lebenslust aus dem Vollen schöpft und ihrer Impulsivität und Spontaneität freien Lauf lässt. So entstehen sie dann, die prallen Früchte des Lebens, gerahmt, gefasst und stabilisiert von kontrastierender Klarheit.